Erfreuliches tut sich in Stuttgart und Umgebung. Dort hat sich am 16.10. eine „Initiative für eine FAU“ gegründet.
Die GenossInnen schreiben: Wir sind die (Initiative) FAU Stuttgart. Wir haben uns am 16. September 2009 in Stuttgart gegründet und sind momentan noch im Aufbau eines allgemeinen Syndikates begriffen. Die FAU ist die Freie Arbeiter- und Arbeiterinnen Union.
Sie ist eine anarchosyndikalistische Gewerkschaft, was bedeutet, dass es bei uns keine Hierarchien gibt, alle Mitglieder somit die gleichen Rechte haben und es keinen „elitären“ Führungszirkel gibt.
„Bei der Freien Arbeiterinnen und Arbeiter-Union (FAU) mitzumischen, bedeutet sich im eigenen Alltag für konkrete Verbesserungen einzusetzen. Es ist die Selbstorganisation von Arbeiter/innen, Angestellten, Auszubildenden (im Betrieb, an der Uni, in der Schule), Jobber/innen, Erwerbslosen und Praktikant/innen, also von Menschen, denen nichts anderes übrig bleibt, als ihre Arbeitskraft (manchmal sogar kostenlos!) zu verkaufen oder die als vermeintlich Überflüssige an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden (sollen).
Wir orientieren uns in Arbeitskämpfen und generell an basisdemokratischen Prinzipien wie Vollversammlungen und jederzeitiger Abwählbarkeit von Delegierten, sowie an den konkreten Bedingungen und Bedürfnissen vor Ort und im Betrieb. Ohne hauptamtlichen Funktionärsapparat, aber mit sinnvoller Aufgabenverteilung, können sich alle zu jeder Zeit aktiv einbringen und die Gewerkschaftsarbeit mitbestimmen.
Dabei kommt auch die gesamtgesellschaftliche Perspektive nicht zu kurz: um die Voraussetzungen für ein Leben zu schaffen, in dem wir nicht mehr gezwungen sein werden, uns jeden Tag nach den Bedürfnissen des kapitalistischen Marktes auszurichten, sondern – selbstbestimmt und solidarisch – an unseren eigenen Bedürfnissen.“
[Quelle: fau.org]
Direkte Kontaktaufnahme zu uns in Stuttgart ist möglich unter:
Email : faus AT riseup.net
Telefon : 01578 – 1781177
oder natürlich persönlich bei einem unserer Plena. Hier solltest du aber vorher mit uns Kontakt über Email oder Handy aufnehmen, damit wir uns auf deinen Besuch einstellen können.
Mit solidarischen Grüßen,
FAU Stuttgart
Siehe auch die Homepage unter: www.faustuttgart.blogsport.de
Die beiden Bilder entstanden auf dem ASJ-Seminar vom 28.-30. Juni 1991 auf der Schwäbischen Alb. Auf diesem Treffen wurde über die weitere Entwicklung der ASJ beraten. Gestritten wurde dabei über die aktuelle Bedeutung des Anarcho-Syndikalismus/Klassenkampf contra „Verfall der Arbeit – Freizeitgesellschaft“. Im Buch beschrieben findet sich dieses Seminar auf Seite 201: „Unterschiedliche Wege“.
Leider existiert kein Gruppenfoto von diesem Wochenende im Sommer 1991.

Am 7. September 2009 wurde unser Genosse Horst Stowasser auf dem Friedhof in Neustadt an der Weinstraße beigesetzt. Mittlerweile liegen die ersten Berichte über die Trauerfeier vor. An ihr nahmen zwischen 200 und 250 FreundInnen, GenossInnen und WeggefährtInnen teil. Mit Kränzen waren unter anderem die FAU, die Föderation deutschsprachiger AnarchistInnen (FdA) und die Anarchistische Gruppe Mannheim vertreten. Hinter dem Sarg, in der sog. Aussegnungshalle war eine schwarze Fahne an der Wand befestigt, in deren Mitte eine Jakobiner-Mütze prangte. Auf ihr stand zu lesen „Kein Gott – kein Herr – es lebe die Anarchie“.
Nach den Ansprachen und Erinnerungen von Freunden und Genossen wurde der Sarg dann zum Grab gebracht. Dort wurde zum Abschied von Horst gemeinsam und in verschiedenen Sprachen „A las Barricadas“, die anarcho-syndikalistische Hymne, gesungen. Horst Stowasser wurde in einer Urne beigesetzt.
Einen Bericht zur Trauerfeier, verbunden mit einem persönlichen Nachruf von Valentin Tschepego, findet sich auf syndikalismusforschung.info
Die Beerdigung unseres Genossen Horst Stowasser findet am kommenden Montag, den 07. September 2009 um 10.00 Uhr auf dem Hauptfriedhof in Neustadt an der Weinstrasse statt.
Wer mit dem Auto anreist: Abfahrt Neustadt-Süd. Der Friedhof befindet sich direkt am Ortsausgang an der Bundesstrasse.
Wegbeschreibung bei Google-Maps hier
(* 7. Januar 1951 † 29. August 2009)

Am Samstag, den 29. August 2009 verstarb im viel zu jungen Alter von 58 Jahren unser Genosse Horst Stowasser. Horst war seit seiner Jugend in der anarchistischen Bewegung aktiv und gehörte zu den profiliertesten Autoren der deutschsprachigen anarchistischen Bewegung. Für viele, besonders jüngere am Anarchismus interessierte, war sein Buch „Leben ohne Chef und Staat“ der Eintritt in die Bewegung. Veranschaulicht es doch im besten Stil verfasst Tradition, Geschichte, Wirken und Wollen der verschiedenen Strömungen im Anarchismus. Keine Überraschung, dass dieses noch immer unbedingt empfehlenswerte Werk bereits 14 Auflagen erfuhr. Horst Stowasser war aber mehr als nur ein erfolgreicher Buchautor. Er publizierte anarchistische Zeitungen und Magazine und war nicht zuletzt ein Propagandist im besten Sinne für gemeinsames Leben und Arbeiten. Zuerst mit dem Projekt A, später dann mit anderen Projekten. Vor wenigen Jahren führte ihn sein Weg auch wieder in die FAU, in deren lokaler Gruppe in Neustadt an der Weinstrasse er aktiv wurde. Mit verschiedenen Archiv-Gründungen hat er weiterhin jahrelang daran mitgewirkt, dass das Wissen, die Spuren, Erfolge, Niederlagen und die Auseinandersetzungen der internationalen anarchistischen Bewegung für Interessierte zugänglich gehalten werden. Eine in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen eingreifende libertäre Bewegung war ihm ein Herzanliegen; wie er nicht nur zuletzt in seinem 2006 erschienen Buch „Anti-Aging für die Anarchie“ anhand der Realität der anarcho-syndikalistischen Bewegung in Barcelona deutlich machte. Mit der spanischsprachigen anarchistischen Bewegung rund um den Globus stand er in stetigem Kontakt, in Argentinien kam er in jungen Jahren zuerst mit den Ideen des Anarchismus in Berührung.
Mit Horst Stowasser hat uns ein jahrzehntelanger Weggefährte und Genosse verlassen, der gleichzeitig der wohl bekannteste Anarchist in Deutschland war. Sein Wirken hat bleibende, unauslöschliche Spuren hinterlassen.
Den Angehörigen und Freunden von Horst gilt unser Mitgefühl.
Möge die Erde ihm leicht sein
Martin Veith
Zum Eintrag bei Wikipedia über Horst Stowasser
Eine kleine Auswahl empfehlenswerter Bücher von Horst:
Leben ohne Chef und Staat. Träume und Wirklichkeit der Anarchisten. Karin Kramer Verlag, Berlin 2003
ANARCHIE! Idee – Geschichte – Perspektiven. ca.448 Seiten, ca. 100 Fotos. Edition Nautilus, Hamburg 2007
Anti-Aging für die Anarchie. Das libertäre Barcelona und seine anarchistischen Gewerkschaften 70 Jahre nach der Spanischen Revolution. Eine Reportage, Edition AV, Lich 2006
Sein ebenfalls empfehlenswertes Buch „Freiheit Pur“ kann hier in einer Online-PDF Version gelesen werden: Mama Anarchija
In der aktuellen Juli/August Ausgabe (Nr. 194) der Direkten Aktion findet sich neben weiteren interessanten Artikeln auch eine Buchrezension zum Hauptthema dieses Blogs; dem im Frühjahr erschienenen Buch zur Geschichte der Anarcho-Syndikalistischen Jugend (ASJ) im Großraum Stuttgart 1990-1993 „Eine Revolution für die Anarchie“. Wir geben die Rezension hier ungekürzt wieder.
Jenseits des Betroffenheitsgedusels
Die Geschichte der ASJ 1990-93 und der FAUD nach 1933 in Baden-Württemberg haben Martin Veith und Helge Döhring in zwei Teilen in dem Buch „Eine Revolution für die Anarchie“ zusammengebracht.
Um es gleich vorweg zu schicken: Das Buch von Martin Veith ist Erinnerung und Kampfansage – es ist Feuerwerk! Seine provokanten Einsichten werden Widerspruch hervorrufen, vor allem bei jenen, die sich der Straßengewalt von Neonazis zwar theoretisch nähern, den Erfahrungshorizont eines Alltags aus permanenter Bedrohung, Einschüchterung, Angst, Wut und Hass jedoch nicht kennen. Vielleicht können gerade deshalb AntifaschistInnen in den Ost-Bundesländern, einigen Regionen im Westen, vor allem aber MigrantInnen sich sehr viel eher mit dem Anliegen des Autoren identifizieren als diejenigen, die sich nur „betroffen“ fühlen. Sicher jedoch ist, dass dieses Buch von allen mit Gewinn gelesen werden kann, die eine antifaschistische Praxis aufweisen bzw. diese entwickeln wollen. Es reiht sich ein in die Tradition von Überlieferungen, die mit Truus Mengers „Im letzten Augenblick“ und dem auch hier mehrfach erwähnten „The 43 Group“ von Morris Beckman bisher ihresgleichen suchten. Nur schreibt der Autor nicht über die Widerstandsgeschichte vor mehr als 60 Jahren, sondern über die Jugendgeneration Anfang der 90er Jahre.
Authentische Schilderung
Veith zeichnet die Geschichte der Anarcho-Syndikalistischen Jugend (ASJ) im Stuttgarter Raum Anfang der 90’er als einer ihrer ehemaligen Aktivisten nach.
Immer schwingt jenes Lebensgefühl mit, das viele dieser Generation bis heute prägte. Der Autor widmet sich dem Thema auf eine äußerst persönliche Weise; vielleicht ist dies das Erfolgsrezept des Buches, da so Erlebtes unheimlich lebendig und aufmunternd beschrieben wird, eingebettet in die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen jener Zeit. Deutlich wird: Die Kämpfe der ASJ entwickelten sich aus ihrem sozialen Alltag heraus, waren direkte Impulse gegen die sie umgebende Wirklichkeit. Dabei konnte es sich um ihre Wohnsituation handeln, um Konfrontationen mit Neonazis, Autoritäten, Nationalismus und Rassismus, Krieg oder um ihre Ausbeutung im Betrieb. Die ASJ bot dabei keinen Raum für einen aufgesetzten ideologischen Habitus, sondern zeichnete sich vielmehr durch die persönliche Verwurzelung in den sozialen Kämpfen aus.
Mit Einigen Standpunkten des Autors in punkto Widerstand gegen Neonazis kann sicherlich nicht jede und jeder d‘accord gehen, auch wenn vielen AntifaschistInnen die Problematik unter ganz bestimmten Bedingungen durchaus vertraut ist: Sie gewinnt rein „militärischen“ Charakter. Dass die ASJ viel differenzierter war, hat sie in der Praxis bewiesen. Die Trennung von rechten MitläuferInnen und hartem Kern, Gesprächsversuche, die Schaffung von Gegenöffentlichkeit, das Outen von Neonazis in ihrem sozialen Umfeld, das Vermeiden der Überhöhung von Bedrohungspotenzialen einzelner Nazi-Gruppen durch gründliche Recherche, einschließlich des Besuchs ihrer Versammlungen unter Tarnung bei hohem persönlichen Risiko, oder die passable Methode, sie der Lächerlichkeit preiszugeben, sind Dinge, die sich bis heute bewährt haben. Allerdings wird in dem Buch versäumt, angewandte Gegengewalt als ein aufgezwungenes Übel zu beschreiben, das sich nicht idealisieren lässt. Es bestand eben die Notwendigkeit, sich zu wehren oder anderen beizustehen, denn tätliche faschistische Angriffe waren gerade auch im Osten der Nachwendejahre alltäglich. Zurück blieb jedoch immer Katerstimmung, da derart nichts Positives vermittelt werden kann. In dem Buch fehlt hierbei die kritische Distanz, auch wenn das Verhältnis zur Gewalt als Taktisches beschrieben wird. Der Anarchokommunist Malatesta wird nicht umsonst zitiert.
Die Tradition des anarchosyndikalistischen Antifaschismus im Südwesten
Im zweiten Teil des Buches beschreibt Helge Döhring in gewohnt akribischer Manier die Widerstandstätigkeit illegaler FAUD-Kreise in Baden-Württemberg nach 1933, quasi in Anknüpfung an „Syndikalismus im Ländle“, das im gleichen Verlag erschienen ist. Prozesse, sog. „Schutzhaft“, Folter, Zusammenhalt, aber auch Misstrauen prägten diese Zeit. Nicht alle, die überlebt hatten, versuchten nach ’45 einen Neuanfang. Den Unermüdlichen bot der Briefwechsel mit dem im Exil lebenden Rudolf Rocker Halt und Richtschnur. Döhring hat an dieser Stelle auch Interessantes über den Anarchisten Theodor Plivier zusammengetragen, das in dieser Form bisher unbekannt sein dürfte.
Fazit: Kaufen, lesen, weiter empfehlen! Womöglich die bislang wichtigste Veröffentlichung 2009.
Anarr
Wir freuen uns hier einige der wenigen existierenden Fotos veröffentlichen zu können, die eines der auffallendsten Transparente der Stuttgarter FAU zeigen. Das Transpi ist heute leider verschollen. Es wurde bis in das Jahr 1993 auf Demonstrationen mitgeführt und zeigte deutlich das hier die Anarcho-SyndikalistInnen kommen. Die Fotos wurden vor Gründung der Stuttgarter ASJ aufgenommen. Sie zeigen die antifaschistische Demonstration am 22. April 1989 in Waiblingen. Diese richtete sich gegen den Druck der rechtsextremen Zeitungen der DVU (National-Zeitung, Deutsche Wochenzeitung, Deutscher Anzeiger) im dortigen Druckhaus. An der Demonstration beteiligten sich mehrere 1000 Personen. Durch den öffentlichen Druck und die solidarische Aktion der Druckarbeiter wurde die Herstellung der rassistischen Blätter schließlich beendet.
Auf dem Transparent ist in deutsch und türkisch zu lesen: „Die Grenzen verlaufen nicht zwischen den Völkern sondern zwischen oben und unten“, Ayrin Halklar Arasinda degil Egemenlerle Ezilenler Arasindadiri“. FAU-IAA – Anarchosyndikalist- Innen.






