Archiv für April 2009

Tote Szene – Wärters Schlechte

1991 gründete sich die Punk-Band Wärters Schlechte in Stuttgart. Sie besteht bis heute und enstammt der bewussten Stuttgarter Punk-Szene. Diese bildete 1990 eine eigene anarchistisch ausgerichtete Gruppe; das Kommando Stern Weg (KSW). Neben den schwarz-roten und schwarzen Fahnen von ASJ und FAU tauchte nun auch die schwarz-rote Fahne des KSW bei Demonstrationen, Aktionen oder Fussballspielen auf. Das Verhältnis zwischen ASJ und KSW war ausgesprochen herzlich. Der Wärters Schlechte Sänger Nuggele ist ein Gründungsmitglied des KSW und bis heute aktiv.
KSW – wir grüßen euch – Working Class Kids United und Viva la Revolte!!

Wärters Schlechte – Tote Szene

Ich könnt schon wieder kotzen bei dem bild dass sich mir bietet:
vollgedröhnte hippiepunx den parka voll benietet
der eine hängt in seiner pisse der andere kotzt ins gras
so geht dass tag ein tag aus und ich bin voller hass
dein laufen ähnelt kriechen dein blick ist lahm und leer
VIVA LA REVOLTE?kämpfen kannst du schon lang nicht mehr
es wimmelt von euch wixern den arsch kriegt ihr nicht rauf
rumpöbeln das könnt ihr-bei faschos übt ihr dauerlauf!
schaut euch um wir leben in der toten szene!
was ist aus euch geworden?

Wärters Schlechte Homepage

Stuttgart 1991

Ein gemeinsames Transparent der ASJ Stuttgart und der „Anarcho-Skins Stuttgart“.

Stuttgart 1991

SZ

Und ein kurzer Bericht der Stuttgarter Zeitung über diese Aktion…

ASJ Gründung in Berlin!

ASJ Gründung Berlin

Die Anarcho-Syndikalistische Jugend in Stuttgart 1990-1993

Von 1990 bis 1993 bestand im Großraum Stuttgart die „Anarcho-Syndikalistische Jugend“ (ASJ). Die ASJ war eine unabhängige anarchistisch-syndikalistische Jugendgruppe, stand der Stuttgarter FAU jedoch nahe.

Ein Schwerpunkt der Gruppe war militanter Antifaschismus. Darüberhinaus beteiligte sie sich u.a. an Wahlboykottkampagnen, der Vorbereitung und Durchführung revolutionärer 1. Mai Demonstrationen mit einem eigenständigen „anarchistischen Block“, dem Kampf gegen den Golfkrieg, Aktivitäten gegen die Wiedervereinigung sowie der Besetzung des Hauses Schwabstrasse 16b in Stuttgart.

Gründung und Gruppenstärke

Die ASJ wurde als „Syndikalistisch-Anarchistische Jugend“ am 28. Februar 1990 in Schorndorf gegründet. Nachdem sich auch in Stuttgart am 7. Mai 1990 eine solche Jugendgruppe gründete, wurde der Name in „Anarcho-Syndikalistische Jugend“ geändert. Lokale ASJ-Gruppen bestanden in Bietigheim, Ludwigsburg, Schorndorf und Stuttgart. Zur Hochzeit der Gruppe bestand sie aus 40 fest dazugehörenden.

Aktivitäten

Neben der Auseinandersetzung mit anarchistischer Theorie und Geschichte war die ASJ praktisch orientiert. Insbesondere der Antifaschismus war ein Schwerpunkt der Arbeit der Gruppe. So beteiligten sich ASJ-GenossInnen an militanten Auseinandersetzungen mit Neonazis, ebenso wie an der Ausforschung regionaler Neonazi-Strukturen.

1991 und 1992 beteiligten sich ASJ-Aktive an der Organisierung eigenständiger anarchistischer Blocks auf den revolutionären 1. Mai Demonstrationen in Stuttgart.
Im Jahr 1991 nahmen daran 150 Menschen teil, 1992 350 Menschen.

ASJ-Aktive beteiligten sich 1991 an einem wilden Streik bei Bauknecht in Schorndorf und durchgehend am „Stuttgarter Schülerrat“.

Die ASJ publizierte Flugblätter zu verschiedenen Themen und war durch das massenhafte Verbreiten von Aufklebern in Stuttgart und der Region auch im öffentlichen Raum präsent.

Anfeindungen der Gruppe

Von Vertretern verschiedener autoritärer linker Gruppen in Stuttgart wurde die ASJ als „Schlägertruppe“ diffamiert. Auch Teile der autonomen und anarchistischen Szene kritisierten das militante Vorgehen der ASJ als „Fighter- und Machogehabe“. Der damalige Vorsitzende der stalinistischen KPD (Roter Morgen) erklärte, einen Vertreter der ASJ bei „der Revolution an die Wand zu stellen“.

Ende der Gruppe

Aufgrund inhaltlicher und persönlicher Konflikte löste sich die Gruppe 1993 auf.

Würdigung

In einem im März 2009 erschienen Buch über die ASJ schreibt der Verfasser Martin Veith über die Bedeutung der Gruppe:

„Es ist unzweifelhaft, dass durch die ASJ der kämpferische, offensive Anarchismus den Weg zurück auf Stuttgarts Straßen gefunden hatte. Die Gruppe zeichnete Leidenschaft und Optimismus aus. Und wir wussten, was wir wollten – die soziale Revolution – und durch sie eine anarchistische Gesellschaft. Die Gruppe zeichnete Ernsthaftigkeit und Verbindlichkeit aus. Wir waren keine Spaß-Gruppe. Das merkten sowohl unsere Feinde und Gegner, als auch diejenigen, die den Anarchismus als „Spiel“ und „Ersatz-Familie“ betrachteten…. Die ASJ verband die individuelle persönliche Entwicklung mit dem kollektiven Kampf. Antrieb war der Wille zur Veränderung, die bei jedem selbst beginnt, aber die gemeinsame Aktion benötigt, um sich schließlich durchsetzen zu können.“ [1]

ASJ aktuell

Im März 2009 haben sich in Düsseldorf, Duisburg und Bonn ASJ-Gruppen gegründet. Ausgangspunkt der Gründung ist die Diskussion jugendlicher FAU-Mitglieder über die Gründung einer Jugendorganisation.

[1] Zitiert aus „Eine Revolution für die Anarchie“. Zur Geschichte der Anarcho-Syndikalistischen Jugend (ASJ) im Großraum Stuttgart 1990-1993. Verlag Edition AV, Lich, März 2009.

ASJ bei Wikipedia

Elisee Reclus über die Gerechtigkeit

Reclus

Entweder die Gerechtigkeit ist ein menschliches Ideal, und dann beanspruchen wir dieses für einen jeden, oder aber sie ist ein Ausdruck der Macht, der die Gesellschaft beherrscht, und dann gibt es kein moralisches Recht, das uns davon abhalten könnte, unsere Macht gegen unsere Feinde zu gebrauchen.
Man missverstehe uns nicht: Die Freiheit für alle – oder das Gesetz der Vergeltung für alle!

Elisee Reclus